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Wie werde ich berühmt?

Eine Anleitung für Skrupellose

Wie wird man es, ja wie? Das Internet wimmelt von Menschen, die es wissen wollen, Ariane Sommer schreibt ein Buch, in dem sie erzählt, wie sie es eigentlich anstellen wollte. Und vermutlich liegen auch Sie nachts lange wach, sich verzweifelt den Kopf zermarternd: Wie schaffe ich es, schnell, effizient, ohne großen Aufwand? Wie, um Himmels willen, werde ich berühmt, ganz ohne Talent und harte Arbeit?

Vermutlich sind Sie völlig unbekannt und haben es versäumt, bei einer großen Boulevardzeitung ein Fastnacktfoto samt Kurzstatement (»Ich will unbedingt nach oben und würde alles dafür tun« einzusenden. Macht nichts. Aber machen Sie sich keine Illusionen: Allein werden Sie es nicht schaffen. Prominent wird man durch Prominente.

Man sollte nicht gleich an die Ludernummer denken, Sie können auch Ihren Kopf gebrauchen. Die Strategien der Profis zeigen, dass es im Promi-Business darauf ankommt, die Messlatte immer tiefer zu hängen. Dieter Bohlens Buch Nichts als die Wahrheit zeugte von mörderischem Selbstbewusstsein, Stefan Effenberg legte noch eins drauf , dazu so viel verbale Gewalt, dass die Journalisten einfach darüber schreiben mussten. Dies mit einem weiteren Buch zu toppen dürfte kaum gelingen. Sie müssen es anders versuchen: Verlegen Sie sich von verbaler auf die Ankündigung tätlicher Gewalt (sollten Sie diese verabscheuen, lesen Sie unbesorgt weiter). Wir zeigen Ihnen, wie.

TEIL 2

 

2. Wählen Sie das richtige Medium

Rufen Sie eine große Zeitung an, und sagen Sie, Sie seien ehrlich empört. Sagen Sie, es gehe um ein Geheimnis dieses Prominenten. Nennen Sie ihn stets beim Vornamen, reden Sie über die Schmach, die er Ihnen zugefügt habe und dass Sie all die Jahre versucht hätten, die Sache unter der Decke zu halten. Aber nun könnten Sie nicht mehr schweigen, Sie seien furchtbar wütend. Schluchzen Sie ein wenig, zerschmettern Sie ein in ein Handtuch gewickeltes Wasserglas (»Ein Bild von mir und ihm«. Sagen Sie mit erstickter Stimme, Sie könnten nicht mehr sprechen. Vergessen Sie nicht, bevor Sie wirklich auflegen, sich zu einem ausführlichen Gespräch in paar Tagen überreden zu lassen.

 

TEIL 3

Betonen Sie in Ihrem Gespräch mit der großen Zeitung unbedingt, dass er das früher schon so gemacht habe: Bereits im Kindergarten hat er Ihnen Ihre Lieder geklaut, in der Schule haben Sie ihm aufschreiben müssen, was der Lehrer sagte, weil er zu eitel für ein Hörgerät gewesen ist, beim ersten gemeinsamen Liebesurlaub an der Amalfiküste ist er mit dem Kellner, einem Transvestiten, verschwunden. Alles hätten Sie ihm verziehen. Aber nun hielten Sie seine Heuchelei nicht mehr aus. Was für ein Heuchler er sei, könne die große Zeitung daran ermessen, dass er sicherlich behaupten werde, er kenne Sie nicht und Sie seien vermutlich wahnsinnig. Dabei hätten Sie Beweise. Nennen Sie einen Kumpel, der angeblich Hörgerätehersteller oder Aushilfskellner ist und alles bezeugen wird, aber erst kurz vor Redaktionsschluss. Waren Sie einigermaßen glaubwürdig, wird Ihr Interview erscheinen, versehen mit dem Kommentar des Prominenten, dass er Sie nicht kenne und Sie vermutlich wahnsinnig seien.

4. Erfinden Sie eine Vergangenheit

Ruft man Sie daraufhin wieder an, seien Sie noch viel empörter. Zitieren Sie deftige Details aus gemeinsamen Tagen, die belegen, dass Sie sich schon lange kennen (Ansatzpunkte finden Sie in der aktuellen Biografie des Promis. Hat dieser noch keine geschrieben, kann Ihnen jeder Ghostwriter sagen, was er schreiben würde). Haben Sie keine Angst, der Prominente könnte später einen echten Freund anschleppen und behaupten, dieser sei es gewesen, der die Hochzeitstorte von Tante Anna mit Senf gefüllt oder aus Eifersucht das Gartenhaus der viel älteren dorfbekannten gemeinsamen ersten Liebe abgefackelt hat (Prominente haben keine echten Freunde. Und denken Sie etwa, es ist wahr, was in Biografien steht?). Steigern Sie sich in Ihre Wut hinein: »Warum verleugnet er mich und uns?« Schließen Sie mit dem Hinweis, es reiche Ihnen, und er habe sich eine Ohrfeige verdient.

TEIL 4

Nachdem der Promi erneut abgestritten hat, Sie zu kennen, und angedroht hat, Sie zu verklagen, führen Sie der Öffentlichkeit Beweise vor. Digitale Fotos, die ihn und Sie zumindest bei der gemeinsamen Gesangsausbildung zeigen (es gibt genug Programme zur Fotobearbeitung), eine Zeugin, die tränenreich bestätigt, er habe sich damals von ihr abgewendet, weil Sie in sein Leben traten (es gibt genug arbeitslose Schauspielerinnen).

 

6. Schreiben Sie einen Brief

Er leugnet – natürlich – immer noch. Schicken Sie einen persönlichen Brief an ihn und die Zeitung zur Veröffentlichung. Schreiben Sie, wie enttäuscht Sie seien – und dass er so seltsam auf Sie wirke, seit er Depressionen habe. Sein Auftreten: hänge es mit der Krankheit zusammen, über die er Sie beschworen habe, nicht zu reden? Lassen Sie weitere saftige Andeutungen folgen. (Ihnen fallen keine ein? Machen Sie ein Brainstorming mit ein paar Freunden bei ein paar Flaschen Wein.) Seien Sie versichert: Ein paar treffen ins Schwarze.

TEIL 5

7. Kündigen Sie Rache an

Meldet er sich nicht, bleiben Sie trotzdem bei Ihrer Strategie. Nehmen Sie eine CD im Stil von Eminem auf, mit Schimpfwörtern und dem Refrain »Ich hau dich, ich schlag dich, ich halt es nicht mehr aus!« Terminieren Sie in einem Interview den Termin, bei dem Sie dies tun wollen, etwa eine CD-Premiere oder eine Party in der Münchner Disco P1, zu der der Promi bereits eingeladen ist. Noch mal: Keine Sorge, Sie werden nicht zuschlagen müssen. Appellieren Sie öffentlich an ihn, sich zu stellen. (»Du weißt genau, du hast es verdient!« Er wird ablehnen. Geben Sie sich darüber nicht verwundert. (»Du warst schon immer feige.« Deuten Sie ein paar weitere Anlässe an, bei denen er sich auch schon feige verhalten hat, und appellieren Sie an ihn, sich ein einziges Mal in seinem Leben zu verhalten wie ein Mann. Lassen Sie sich von einer Illustrierten in einem schicken Fitnesscenter dabei fotografieren, wie Sie Ihre Muskeln für den Tag Ihrer Rache stählen. Er wird es nicht wagen, nicht zu erscheinen.

8. Täuschen Sie einen tätlichen Angriff vor

Seien Sie schon früher da (man wird Sie einlassen, obwohl Sie natürlich keine Einladung haben.) Plaudern Sie mit anderen Prominenten und der Presse. Erscheint er, stürzen Sie sich auf ihn und lassen sich im letzten Moment unter Blitzlichtgewitter von bezahlten Begleitern zurückreißen. Danach gehen Sie zum Büfett, benehmen sich so formvollendet, als sei nichts gewesen, und genießen den Abend. Kündigen Sie an, sich auf einer größeren Veranstaltung (zu der Sie schon immer gehen wollten und auf die er sowieso muss) endgültig zu rächen, etwa der Grammy-Verleihung oder dem Bundespresseball. Engagieren Sie die Klitschko-Brüder für einen Tag als Personal Trainer, und verkaufen Sie die Geschichte an das Blatt, das am meisten bietet.

TEIL 6

Seien Sie auch diesmal anfangs sehr entspannt. Unterhalten Sie sich freundlich mit den Leuten, die Sie vom letzten Mal kennen, und schließen Sie neue Bekanntschaften. Erscheint er mit seinen Leibwächtern, stürmen Sie los, aber bleiben dann plötzlich stehen. Rufen Sie, sichtlich erschüttert: »Nein, ich kann ihm das nicht antun!« Bitten Sie ihn lauthals um Entschuldigung. Gehen Sie auf ihn zu, umarmen Sie ihn, schluchzen Sie in die Mikrofone, dass Ihnen alles so leid tue. Er wird auch anfangen zu schluchzen. Er wird Sie laut um Entschuldigung bitten für das, was er Ihnen angetan hat. Und plötzlich wird er, vor all den Kameras, mit dem Blick ungläubigen Wiedererkennens »Mein Bruder!« rufen, oder »Meine Schwester!«. Das weitere Vorgehen in dieser Sache besprechen Sie später kichernd bei einem Glas Champagner. Gratulation! Sie sind drin. Sie haben es geschafft!

 

« Ich werde ein Star ! »

Moderation : Anne-Sophie Mercier et Matthias Beermann

« Wenn ich groß bin, dann werde ich ein Star! » Heute träumen Kinder nicht mehr davon, Feuerwehrmann oder Lehrerin zu werden. Sie wollen berühmt werden.

Von diesem Phänomen sind jedoch nicht nur die Kleinsten betroffen; „fünfzehn Minuten lang ein Star sein“ - wie es Andy Warhol vor über dreißig Jahren prophezeite -, das wollen heute alle.

Und das Fernsehen hilft nach Kräften: Reality-TV, Big Brother und andere Container-Shows, „Deutschland sucht den Superstar“ -, hier werden die Sternchen geboren, zumeist allerdings von nur geringer Haltbarkeitsdauer. Denn besondere Talente oder Fähigkeiten braucht es nicht mehr, um auf dem Bildschirm präsent zu sein. Das Phänomen existiert inzwischen überall in Europa. Grund für das FORUM DER EUROPÄER den Hintergrund zu beleuchten, gemeinsam mit ehemaligen Stars und all denen, die davon profitieren.

Außerdem die Analyse unter dem kritischen Auge von Luc Ferry, Philosoph und ehemaliger Bildungsminister; der bei Anne-Sophie Mercier und Matthias Beermann in unserer Sendung zu Gast ist.

STUDIOGAST

Luc Ferry
Philosoph und ehemaliger Bildungsminister


  • Jeden ersten Samstag im Monat: Olivier Duhamel analysiert das aktuelle Geschehen in der Europäischen Union.



DIE REPORTAGEN

London, Hauptstadt des „speed casting“
Sein Glück versuchen, an castings teilnehmen, die größten Musik- oder Theaterproduzenten treffen, ins Fernsehen kommen… die Träume der jungen Anfänger. Sie wahr werden zu lassen, das verspricht Dean von „Silent Industry“. Der junge Londoner hat seine kleine Internet-Firma vor eineinhalb Jahren gegründet. Seither haben sich 1.500 Mitglieder bei ihm eingeschrieben. Für 60 Pfund Mitgliedsbeitrag pro Jahr bietet er ihnen ein großes casting im Herzen der englischen Hauptstadt an. Jeder Kandidat hat drei Minuten Zeit, um eine Jury aus Experten des show bizz zu überzeugen. Und während alle an den Traum vom Star glauben, floriert vor allem das Unternehmen von Dean.

Umsatz machen mit Berühmtheiten
Dass Stars in der Werbung die Verkaufszahlen nach oben schnellen lassen, haben Unternehmer schon lange begriffen. Entsprechend nimmt das Phänomen immer größere Ausmaße an. In Frankreich war es zuletzt Rocklegende Johnny Hallyday, der Reklame für einen befreundeten Brillenhersteller machte. Dafür war er sogar bereit, sein Image als „harter Typ“ abzulegen. Die Verbraucher zogen mit, die Regenbogenpresse berichtete über die Kampagne und machte so noch einmal Werbung… für die Werbung.

Patty - Aufstieg und Fall eines Fernsehstars
Für eine kurze Zeit war Patty Lago berühmt -, sie hatte an der italienischen Version von „Big Brother“, dem „Grande Fratello“ teilgenommen. Nach einigen Monaten aber war der Glanz verblasst. Auf Anraten ihres Agenten nimmt Patty seither immer öfter an diversen Soireen teil, um andere Persönlichkeiten aus der Fernsehwelt kennenzulernen, und um so an Rollen in verschiedenen Serien heranzukommen. Um jedoch ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, musste Patty Lago wieder zu Patrizia Griffini werden – und die arbeitet in dem Frisörladen ihrer Heimatstadt unweit von Mailand. Dort ist sie wenigstens ein kleiner Star geblieben.



 

Mama, jetzt werde ich ein Star: Kinder-Castings

Mama, jetzt werde ich Star! Haben Sie das von Ihrem Kind auch schon gehört? Seit ganz Deutschland auf fast allen Fernsehkanälen zur Probebühne wird und Superstars sucht, hoffen auch viele Kids auf ihre Chance, einmal entdeckt zu werden und ganz groß rauszukommen.
Mütter und Väter, die sich breitschlagen lassen, müssen für die Popstar-Ambitionen ihrer Kinder vor allem Zeit mitbringen. Wochen für das Styling des Teenies, Stunden für die Fahrt zum Casting, Stunden für das lange Warten in Fluren von Discos oder Hotels und dann mindestens noch mal 30 Sekunden. Denn genau so lange darf jeder Bewerber sein oft monatelang einstudiertes Stückchen Musik vor laufenden Kameras vorsingen und etwa zu Britneys "I'm not a Girl" verführerische Augenaufschläge probieren.

Ein Schnellgericht, zumeist bestehend aus Musikproduzenten, Moderatoren und Choreographen, senkt in der Regel den Daumen nach unten und versenkt so Teenie-Träume im Minutentakt - so wie Dieter Bohlen in der "Superstar-Jury". Dann sind Mama und Papa wieder dran: Fertigmachen zum Trösten und Tränen trocknen. Sie tun es in der Gewissheit, dass der Popstar-Virus bald kuriert und überstanden ist. Aber es gibt auch andere Castings, solche nämlich fernab des Fernsehrummels.

„Ein hübsches Gesicht allein genügt nicht", sagt Jacqueline Rietz, seit sieben Jahren Chefin einer Kinder-Casting-Agentur in Potsdam Babelsberg, die wir mit „service: familie“ besucht haben. Wer ins Fernsehen oder zum Film möchte, muss natürlich und aufgeschlossen sein und nicht introvertiert oder schüchtern, meint Jacqueline Rietz.

Begeisterung und Spielfreude sollte man mitbringen, aber auch Ausdauer und Belastbarkeit. Ganz wichtig sei Zuverlässigkeit bei Dreharbeiten: das heißt nicht nach Tageslaune Einsatz zeigen, sondern immer sein Bestmögliches geben. Seriöse Casting-Agenturen achten darauf, dass die Kinder in der Schule stabil sind. Es müssen keine Musterschüler sein. Rietz Erfahrung ist, dass mittelmäßige Schüler durch Drehs oder Auftritte sogar motiviert werden. Sie steigern oft ihre Leistungen nach dem Motto "wenn ich gut in der Schule bin, darf ich auch ins Fernsehen."
Casting-Agentur Robert Drews
Droysenstraße 15
10629 Berlin
Tel.: 0 30 / 3 23 35 22

Agentur GESICHTER für Schauspieler und Nachwuchs
Karin Müller-Grunewald
Medienhaus
August-Bebel-Str. 26 - 53
14482 Potsdam
www.agentur-gesichter.de

Agentur Phantasios
Dorfstraße 32
14532 Philippsthal
Tel.: 03 32 00 / 8 55 58

Casting-Agentur Boy & Girls
Große Bäckerstraße 4
20095 Hamburg
Tel.: 0 40 / 3 68 90 60

Casting-Agentur Vicki Hinrichs
Moorweidenstraße 7
20148 Hamburg
Tel.: 0 40 / 41 83 30

Casting-Agentur Ursula Danger
Haulandsweg 59
21220 Seevetal
Tel.: 0 41 05 / 8 52 52

Casting-Agentur Maria Schwarz
Steinfelder Gasse 11
50670 Köln
Tel.: 02 21 / 1 39 00 22

089 casting
Jahnstr 20
80469 München
Tel.: 089 / 26024858
Fax: 089 / 26024860
info@089-casting.de

Casting-Agentur Barbara Goosmann
Fichtenstraße 33
85774 Unterföhring
Tel.: 0 89 / 95 37 35

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Viele Gruesse!!!

Sara




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